• Einwehungsfest

    Sonntag, 16. August 2009
    Liebe Freunde,

    heute ist ‚the day after’ und alle sind völlig k.o., aber mit großer Dankbarkeit im Herzen. Gestern war unsere Einweihungsfeier mit Bischof Dr. Felix Genn. Nun kann die Fazenda da Esperança im Kloster Mörmter bei Xanten richtig starten. Für morgen sind schon die ersten drei Rekuperanten angemeldet. Aber nun erst noch mal ein kurzer Rückblick.

    In der Nacht von Donnerstag auf Freitag kamen Frei Hans und Nelson, die Gründer der Fazenda, bei uns in Mörmter an, zusammen mit Christian, der mit den beiden zwei Tage in Portugal war, um die Grundsteine für die dort geplante Fazenda zu legen. Auch die Jungs der Fazenda von Bickenried/Kaufbeuren sind seit Donnerstag da.

    Am Freitag fand noch ein Pressegespräch mit unterschiedlichen Zeitungen statt. Es ist für uns sehr beeindruckend, wie positiv und ausgewogen, wie breit und ausführlich die Berichterstattung ist. Frei Hans und Nelson standen Rede und Antwort und es entwickelte sich ein gutes Gespräch. – Ebenso wurde um 19.30h vom WDR Studio Duisburg in der Lokalzeit ein guter Bericht gesendet. Bis zum 20. 8. 2009 ist er noch im Internet zu sehen.
    (http://www.wdr.de/mediathek/html/regional/rueckschau/2009/08/14/lokalzeit_duisburg.xml) [Drogenentzug in altem Kloster - 04:46 min].

    Der Freitag war aber vor allem ein Rüsttag. Betten wurden gemacht, Unterkunftspläne für die Gäste bei Nachbarn und in zwei Turnhallen bearbeitet, Getränke geholt, Bänke aufgebaut, ein großer Fallschirm über dem Innenhof aufgespannt und gekocht, gebacken Schilder gemalt und aufgehangen…

    Die Nachbar kamen zum „Kränzen“, wie man das hier am Niederrhein so macht und haben über der Tür ein großes Schild befestigt: „Gottes Segen zum Einzug“. Echt bewegend die Aufnahme.
    Freitags kamen dann noch alle von der Frauenfazenda in Riewend und eine Delegation aus Gut Neuhof. Sie kamen zum einen zur Einweihungsfeier der neuen Fazenda, aber auch zum Ehemaligentreffen, welches an diesem Wochenende parallel stattfinden sollte. - Zu dem Zeitpunkt waren wir dann schon ca. 80 Leute ‚aus den eigenen Reihen’ und alle halfen mit bei den noch ausstehenden Vorbereitungen auf das große Fest hin am gestrigen Samstag.
    Inzwischen kommen auch viele Grüße und Glückwünsche an und teilen uns auf diesem Weg mit, dass wir einen besonderen Platz in ihrem Herzen, in ihren Gebete haben.
    Samstag Morgen machte Nelson die Betrachtung und das Wort, was es zu leben galt war ganz einfach, ganz kurz und prägnant, selbst für unsere Ausländer, es hieß: JETZT! Jetzt kann ich helfen, jetzt kann ich den Schritt machen auf einen Gast zuzugehen, jetzt jemanden ein Lächeln schenken, jetzt von mir weggehen, um offen zu sein für den, der mir gegenüber steht... – Das war die Note, die sich den ganzen Tag durchzog und alle wurden auf die einzelnen Dienste verteilt: Grill-, Waffel- und Kuchenstand, Infopavillon und Hofladen, Streichelzoo mit Enten, Kaninchen und Kätzchen, Hausführungen durch die neu renovierten Zimmer, Gespräche, Begegnungen, ...
    Und was dann geschah war wirklich ein Wunder. Es ging alles Hand in Hand, kein Stress kam auf und so war es, dass ca. 500 Besucher den Tag über durch das Haus und über den Hof gingen. Es war ein Kommen und Gehen. Der Tag der Offenen Tür, war wirklich ein solcher und die Menschen die kamen waren begeistert von dem, was sich hier im Kloster Mörmter getan hatte.
    Und eine Baustelle, an der wurde bis 15.00h des Eröffnungstages gearbeitet... – es war die Hauskapelle, die Luiz, unser Hofleiter, mit Pfarrer Georg Schlütter, Johannes van de Boom, Sumi und Marcel aus Bickenried zur Vollendung geführt haben. Der Tabernakel aus Glas und Licht, Holz und Wasser hat natürlich was mit unserem Leben zu tun und spiegelt den Weg wieder, den unsere jungen Leute aus dem Schmerz und Leid ihres Lebens ins neue Leben gehen müssen. Als Altar dient ein alter Eichenstamm aus dem Klostergarten, auf dem eine Glasplatte liegt. Ein wunderschöner Raum, der schon unfertig wirkt und Ausstrahlung hat.
    Um 15.30h kam schließlich Bischof Felix Genn. Er suchte zuerst ein kurzes Gespräch mit den Verantwortlichen und ließ sich dann den Hof zeigen. Es folgte ein kurzes Programm im Klosterhof, wo Nelson von den Anfängen erzählte und Rebekka und Stefan von ihrer Rekuperation, Luiz, Sebastian und Sr. Tanja von der Zeit der Mission. In der Messe unterstricht der Bischof mit einer sehr bewegenden Predigt, dass er es schätzt, wie die Fazenda ihr Leben am Wort Gottes festmacht und verwies darauf, dass es etwas zutiefst urchristliches ist und sagte dann: „Fazenda ist Kirche.“ Er schien tief aufgenommen zu haben, was unser Leben ausmacht Er erinnerte daran, dass jeder von uns Menschen eine Form von Sucht in sich trägt und darunter leidet. Doch das Wort macht frei und führt in die Freiheit. – Der Bischof hat uns tief erstanden, so war unser Eindruck und er fuhr als Freund der Fazenda. – In der Messe halten wir die Kollekte nicht für unsere Arbeit auf der Fazenda hier in Deutschland, sondern wir spürten in diesen Tagen auch sehr die Not des Aufbaus der Fazenda in Russland. So bitten wir um eine Gabe für unsere Schwestern und Brüder dort und bekommen über 1750,00€. Frei José und Heiner Jung bekommen dieses Geld gleich übergeben, da sie am Montag/ Dienstag wieder zum Aufbau nach Russland zurückkehren.
    Der heutige Tag ist geprägt von Abschieden, dem Besuch eines Fernsehteams von EWTN und dem Treffen der Ehemaligen – aber immer wieder kommen Besucher im Hofcafé an und wollen etwas von unserem Leben erfahren.
    In der Messe um 10.00h in der Klosterkirche erzählen wir von den neuen Perspektiven, nämlich, dass es weiterhin einen Sonntagsgottesdienst geben wird, allerdings um 17.00h am Sonntag Nachmittag. Dort wird es möglich sein Priester aus der Umgebung anzusprechen und dazu gewinnen mit der Fazenda und den Freunden des Klosters die Messe zu feiern.
    Die „Neuhofer“ und die „Riewender“ fahren Heim, ebenso gilt es von den Missionaren Abschied zu nehmen. Wir spüren, wie viel gewachsen ist in diesen vier Wochen, ein wirkliches Wunder.
    Morgen wird dürfen wir, wie gesagt die ersten Rekuperanten empfangen und uns noch von Christian verabschieden. Luiz, Michael und Sebastian bleiben als Verantwortliche auf dem Hof, unterstütz werden sie von Thomas und Alexander mit Marcos aus Argentinien.
    Danke allen für das gute gemeinsame Miteinander, für all das Mit-Dran-Denken und all die guten Intentionen. Im BLOG versuchen wir auch die Bilder rein zu setzen und so könnt ihr aktiver daran teilnehmen.
    DANKE, DANKE, DANKE

    Euer Team der Missionare aus dem Kloster Mörmter!

  • Tagebuch 5

    8.8.2009

    Nun bricht die letzte Woche an, der große Endspurt auf die Einweihungsfeier und den Start der neuen Fazenda beginnt. Der letzte Bericht ist zwar erst vier Tage her, doch hat sich schon wieder soviel getan... Hier einige Beispiele:
    die Abschiedsfeier für ‚Icke’ auf Gut Neuhof war bombastisch. Die ganzen ‚Derramas’ (Segenswünsche) konnten wir nicht mehr zählen, die Jungs waren außer Rand und Band. Icke war einfach sehr beliebt. Nach seinem Urlaub wird er als Verantwortlicher nach Gut Neuhof zurückkehren.
    Zur gleichen Zeit glich das Kloster Mörmter einem Bahnhof. Die Gäste gaben sich gegenseitig die Klinke in die Hand und bis heute gibt es immer wieder solche ‚Stoßzeiten’. Haus und Hofladen werden bestaunt und bewundert, Kaffee getrunken und spontan isst auch mal jemand mit uns zu Mittag oder zu Abend.
    Die Vorsehung meint es weiterhin gut mit uns. Wir haben einen Gefrierschrank und eine Gefriertruhe geschenkt bekommen, die schon gefüllt sind mit leckeren Spenden. Dann kam noch ein Anruf, dass uns jemand seinen kompletten eingefrorenen Fleischvorrat schenken will, da ihm gerade die Gefriertruhe kaputt ging. Wir überlegten, wie wir das ganze Fleisch einfrieren sollten, da doch alles schon voll war, tja und dann kommt der nächste Anruf, ob wir noch eine Gefriertruhe gebrauchen könnten...
    Unseren Handwerksmissionaren ging die Säge kaputt und einer der Missionare rief seinen Freund an, ob wir seine Säge ausleihen könnten. Leider benötigte dieser sie selbst, rief aber ein paar Minuten später noch mal an, dass wir uns auf seine Kosten eine neue kaufen könnten. Nun ist also wieder eine Fazenda-Säge vorhanden.

    Am Donnerstagabend war der Förderverein bei uns zu Gast, zum Grill- und Informationsabend (dieses Mal mussten wir das Informationsvideo auf der Leinwand in der Kirche zeigen, da über hundert Leute kamen). Auch Politiker des Kreises und der Duisburger Drogenbeauftragte waren anwesend.

    Wir leben wie immer aus dem Reichtum des Wortes Gottes. Gestern war unser Wort für den Tag: ‚Immer, sofort und mit Freude’ (vom Tagesevangelium abgeleitet, dass man in der Nachfolge Christi sein Kreuz annehmen soll). Dies hat vielen Missionaren geholfen, nicht frustriert zu werden. Denn es ging so Einiges schief. Im Büro gab es mehrere hartnäckige PC-Viren, die Telefonanlage ging kaputt, Bodenbretter, die verlegt werden sollten, wurden aus Versehen doppelt gekauft, dafür fehlten zwei Schrauben der aus Berlin hertransportierten Stockbetten, die so unkoordiniert gepackt waren, dass nicht mehr ersichtlich war, welche Latten und sonstige Teile zu welchem Bett gehörten und deshalb auch Betten mehrmals aufgebaut und dann doch wieder abgebaut werden mussten, bis sie so standen, wie sie tatsächlich zusammengehörten. Die Küchenmissionare mussten fast Übermenschliches leisten, um 225 kg Weintrauben zu verarbeiten, Mirabellen und sonstige Gaben (aktuelle Kreation für den Verkauf ist übrigens gerade: Traube-Pfirsich-Grapefruit-Kokos-Gelee), es wurden unter Zeitdruck Zimmer gerichtet und Betten überzogen für Gäste, die dann bescheid gaben, dass sie erst nächste Woche kommen und und und... Wie sagte ein Missionar so schön: „Heute kann man die Kreuze einfach unterwegs so auflesen, sie liegen überall herum.“ Aber mit unserem gelebten Wort war am Abend trotzdem noch jeder guter Laune.
    Es gibt soviel zu tun, dass wir dankbar sind für jeden Helfer, der vorbei kommt und sei es nur für einen oder zwei Tage. Die Tage sind lang, die Nächte kurz und heute sind wir noch früher als normal aufgestanden, da wir dieses Wochenende sechs Gottesdienste gestalten und heute Mittag noch die Klarissen in Kevelaer besucht haben, um so den Kontakt mit den Schwestern hier vor Ort und dem franziskanischen Charisma zu knüpfen. Wir dürfen uns des Gebetes der Schwestern sicher sein und diese sich unserer Unterstützung bei anfallenden Arbeiten im Kloster.
    Unser neuer Hahn sorgt dafür, dass wir morgens erst gar nicht verschlafen können;-)

    Am Freitag war ein Team vom WDR-Studio Duisburg bei uns zu Besuch, um drei Minuten in der ‚Lokalzeit’ zu drehen. Ein sehr aufgeschlossener Redakteur und eine sehr nette Kamerafrau haben mit ihrem Team fast vier Stunden hier verbracht. Alexander und Christian begleiteten sie und standen Rede und Antwort. Den Ausstrahlungstermin (voraussichtlich Donnerstag oder Freitag) setzen wir aktuell in unseren Blog (http://fazendadaesperanca3.blog.de/). Schaut einfach mal rein und natürlich freuen wir uns auch über ein Feedback oder einen Kommentar in unserem Blog-Gästebuch.

    Ein weiterer wichtiger Termin in der vergangenen Woche war eine Begegnung mit der Geschäftsführerin der Arge Kreis Wesel. Die Initiative ging von der Arge aus und Frau Burhans kam mit drei weiteren Mitarbeitern, um unsere Einrichtung kennenzulernen. Sie waren sehr angetan von unserer Arbeit und sagten uns ihre Kooperation zu. Zudem baten sie auch uns um unsere Unterstützung bei ihrer Arbeit mit drogensüchtigen Klienten.

    Derzeit werden die Planungen unserer Hauskapelle konkreter. Aus den Elementen Glas und Holz sollen ein Tabernakel und ein Altar gestaltet werden. Nachbarn haben uns bereits alte Eichenbalken und Holz einer gefällten Lerche aus dem Klostergarten zur Verfügung gestellt; auch hier noch eine Baustelle, wo Ideen verwirklicht werden und Liebe investiert wird.

    Am Samstag, 15. August, wird hier ein großes Fest stattfinden. Ab 11 Uhr haben wir ‚Tag der offenen Tür’. Wir erwarten ca. 500 Gäste von überall her. Auch Frei Hans und Nelson, die beiden Gründer der Fazenda, kommen aus Brasilien. Bischof Genn wird um 17 Uhr eine Hl. Messe mit uns feiern. Merkt euch diesen Termin vor (es darf jeder kommen!) und denkt mit an alle unsere Vorbereitungen. Die Einladung stellen wir auch in unseren Blog.

    Es grüßen euch herzlich eure Missionare aus Xanten!

  • Tagebuch 4

    Liebe Freunde,
    wieder schauen wir auf ganz reiche Tage zurück und die Hälfte der vierwöchigen Mission liegt nun hinter uns.
    Am Donnerstag Abend, 30. 7., hatten wir unsere engste Nachbarschaft zu Gast. Im Klosterhof war alles vorbereitet, als dunkle Wolken heranzogen, doch die ließen uns links liegen und es war bis zum Ende des Essens ein schöner Sommerabend. Einige unserer Nachbarn kamen schon zur Messe und dann, im Klosterhof, waren wir mit rund 20 Nachbarn zusammen. Das Eis wurde Stück für Stück gebrochen, bei Bratwurst aus der Gut Neuhof Metzgerei und selbstgemachten Salat kam man ins Gespräch. Gleich bei Tisch kamen auch Fragen über das Leben der Fazenda und die Zukunft des Klosters zu Tage und wir waren mitten drin von all dem, was uns bewegt, zu erzählen. – Nach dem Essen gab es im Refektorium einen kurzen Film von der Entstehung von Gut Neuhof und danach ein intensives Gespräch, wo Fragen noch einmal in aller Offenheit gestellt wurden. Unsere jungen Missionare, die Ehemaligen haben mit echter Weisheit und mit vielen Erfahrungen geantwortet. Nach fast drei Stunden ging man schließlich auseinander und alle spürten, dass hier ein neues Kapitel aufgeschlagen worden ist, man die Fazenda jetzt erst mal mehr einschätzen kann und so hoffentlich auch in Zukunft Schritt für Schritt die Ängste abgebaut werden können.
    Am Samstag kamen die ersten begeisterten Besucher in unser renoviertes Klostercafé. Nachdem am Freitag, unser Alex, als Maler, durch Tod und Auferstehung ging und er den Anstrich mehrfach ändern musste, kam es am Ende wirklich zu einer tollen Kombination von Alte und Neu. – Wir teilten uns wieder auf unterschiedliche Gottesdienste auf, ein Teil unserer Gruppe blieb im Kloster Mörmter, gestaltete dort die Messen, in denen Marcos, unser Argentinier und Michael, der vier Jahre in Brasilien eine Fazenda bei Fortaleza geleitet hat, ihre Erfahrung erzählten. Die Lesung vom Sonntag inspirierte dazu, zu berichten, wie sie als „neue Menschen“ leben. – Die andere Gruppe war in einem alten Wallfahrtsort – Marienbaum, der zum Pfarrbezirk von Xanten gehört. Mit Herzlichkeit und Interesse (dass passiert uns hier immer wieder) wurden wir aufgenommen und fanden in dem dort bunt versammelten Volk Gottes aufmerksame Zuhörer. Pfarrer Deriks fasste es so zusammen: „Wie freue ich mich, die Kirche wieder einmal so bunt und jung zu sehen.“
    Am Samstag verabschiedete sich unser Missionar Willi Neumann aus der Pfarrei Maria Frieden aus Berlin mit einer super leckeren Lasagne und einem Tiramisu, was sogar unserem Italiener ein „molto buono“ entlockte. Willi war echt ein Geschenk für die Gruppe und die Gruppe, mit jedem einzelnen auch ein Geschenk für ihn, wie er am Abend sagte. Als bekennender „Fazenda – Fan“ wurde er am Abend als offizieller „Botschaft der Hoffnung“ ausgesandt…
    Zu unserer Missions-Gruppe stieß am Sonntag Simona hinzu, eine junge Frau aus Sardinien, die wie Patrizio, ein großes Interesse an der Fazenda hat. Sie wird bis zum 17. August hier bleiben und hilft beim Aufbau. – Das bescherte uns ein weiteres wunderbares italienisches Festessen, mit frischer Fenchelwurst aus Sardinien, Pasta und „dolcetti“ (süße Teigtaschen).
    Was wir aber noch einmal festhalten, bzw. weitergeben müssen, ist die Fülle an Gaben, die hier ankommen. Trotz dem das Haus fast komplett ist, fallen uns doch immer wieder Dinge ein, die wir für einen zukünftigen Fazenda Alltag gebrauchen können. So waren wir einkaufen und überlegten doch einige Dinge, von denen wir meinten sie seien wichtig, zu kaufen. Irgendetwas hielt uns ab und wir sagten uns, dass wir sie sicher geschenkt bekommen würden. In der Messe erzählten wir davon und am nächsten Tag stand genau das vor der Haustür. Jemand anderes rief an, fragte, ob wir einen Kühlschrank gebrauchen könnten und wir sagten ihm am Telefon, dass wir schon einige haben. Ja, was wir denn brauchen würden? Nun, wir zählten dieses und jenes auf, darauf hin sagte er, dann kauft einfach was ihr braucht und ich geb euch hinterher das Geld, doch schließlich sagte er, nein, wir machen das so, ich komme morgen vorbei und geb euch 500,00€ und ihr kauft, was ihr braucht. Ansonsten kommen viele andere Gaben an: Gefrierschank und –truhe, Töpfe, Tiefkühltorten, Brot und Gemüse von der Tafel, Stallhasen für eine Zucht, ein Gänsepaar, Zwerghühne, Früchte, Betten, Oberbetten und Kopfkissen, DVD Player, Wäschespinne und sogar ein Strandkorb.
    Neben den vielen Besuchern die tagsüber auf der Fazenda anklopfen, auf einen Kaffee vorbei schauen und sich über den Fortgang der Arbeiten erkundigen, kam auch der erste Pilger auf dem Jakobus- Pilgerweg, der vor dem Kloster her geht (Nijmegen – Köln) auf einen Kaffee in unser Refektorium. Er erzählte uns, dass er auf seinem ersten Weg nach Santiago de Compostela, als Buddhist gestartet war, dann aber, weil er so gastfreundlich auf dem dreimonatigen Weg aufgenommen wurde, er sich zum Christentum bekehrt hatte. Jetzt ging er das zweite mal diesen Weg. – Echte Weg-Geschichten…
    Lorenz und Leon, machten sich nach 10 tollen Tagen mit uns, mit Steffi und dem Hund Leika auf den Heimweg, da für Leon noch eine Mathe-Nachprüfung ansteht und Lorenz ohne die Kleinen Niklas und Vincent gar keine Beschäftigung mehr hat. Schade, aber bei der Einweihung sehen wir uns wieder.
    Heute hat sich auch eine Gruppe auf den Weg gemacht. Sie fahren nach Gut Neuhof, um dort mit Stefan Klausewitz seinen Jahrestag auf der Fazenda zu feiern und Gott für das Jahr der Rekuperation zu danken. Er wird nach seinem Urlaub nach Neuhof zurückkehren und dort mit in der Verantwortung helfen. – Auch so ein echtes Geschenk Gottes.
    Es grüßen euch herzlich eure Missionare von der Fazenda im Kloster Mörmter!

    Aktuelle Fotos findet Ihr unter: www.fazendadaesperanca3.blog.de

  • Tagebucheintrag 3

    Liebe Freunde,

    mittlerweile ist unser Haus immer dicht bevölkert. Denn nach Christians Einladung in den Gottesdiensten am Sonntag im Xantener Dom: „Kommen Sie im Kloster vorbei. Die Tür ist immer offen.“ läuft die Kaffeemaschine ununterbrochen für alle Gäste, die einfach mal reinschnuppern und sich das ‚neue‘ Kloster anschauen wollen. Generell sind wir gerade in den umliegenden Gemeinden in den Gottesdiensten, um die Fazenda vorzustellen, ob mit Lebenszeugnissen ehemaliger Rekuperanten oder einfach den Eindrücken der freiwilligen Missionare. So wird auch unser Klosterladen bekannt und schön gemalte Schilder um und auf dem Gelände weisen auf unsere Gastfreundschaft hin.

    Viele Fahrradfahrer halten an und drücken ihre Freude aus, dass wieder Leben im Kloster ist. Früher haben sie die Franziskanerbrüder beim Rasen mähen, bei der Apfelernte etc. gesehen, dann leider niemanden mehr. Und jetzt werden die Arbeiten wieder gemacht, das Kloster wird wieder bewohnt und die Menschen knüpfen neue Kontakte. Spannend ist auch die Verteilung der verschiedenen Dienste. Männer übernehmen den Hausdienst und das Äpfelschälen, Frauen streichen Zimmer und mähen den Rasen des großen Klostergeländes. Für die Presse ist die Franziskanerschwester mit dem Rasenmäher oder dem Freischneider (Trimmer) ziemlich spannend, dauernd Fotosessions und Interviews während der Arbeit.

    Wir leben weiterhin von der Vorsehung. Einmal schauten wir mit Sorge auf unseren Brotvorrat und dass dieser nicht bis zur nächsten Versorgung von der Tafel reicht. Da steht am nächsten Morgen ein Gast zum Frühstück vor der Tür und hat 30 frische Brötchen mitgebracht. Gepriesen sei der Herr! Seine Wunder geschehen in unserem Alltag.
    Ein Wunder begann schon am Flughafen in Sao Paulo. Michael, ein Deutscher, der 4 Jahre in Brasilien war, und Marcos, ein Argentinier, haben beim Check-in interessante Erfahrungen gemacht. Marcos hatte leider kein Rückflugticket nach Argentinien, was die Mitarbeiterin der Fluggesellschaft sehr irritiert hat. Man kann ohne Rückflugticket nicht einreisen. Nach 5 Stunden Diskussion mit der Fluggesellschaft und Michaels Organisation eines Tickets über eine Fazenda in Brasilien konnten die beiden ihr Gepäck aufgeben. Ein Handicap: Marcos spricht kein Wort deutsch und so hat Michael sich für ihn eingesetzt. Am deutschen Zoll in Frankfurt: Marcos besaß keine Einladung aus Deutschland, kein Geld und wusste nicht die Adresse seines Aufenthalts, Michael leider auch nicht. Die beiden wussten lediglich, dass sie nach Xanten wollten. Der Zollbeamte wollte Marcos nicht einreisen lassen. Da wies ihn Michael darauf hin, dass nicht er das zu entscheiden habe, sondern allein Gott. Wenn dieser es will, wird Marcos nach Xanten kommen. Michael hat sich mit Marcos in einer anderen Reihe angestellt, soz. beim nächsten Zollbeamten. Auch dieser wollte die Einladung sehen. Daraufhin hatte Michael die geniale Idee, dass er Marcos einladen könnte und versprach, ihm alles zu bezahlen. Unter welcher Adresse blieb allerdings offen… Der Zollbeamte ließ sich erweichen und stempelte Marcos Ausweis. Nun war Michael an der Reihe, seinen Ausweis vorzuzeigen. Der Zollbeamte lies die Nummer einlesen und nun erschien das ganze Strafregister. Man muss wissen, dass Michael einst der jüngste Bankräuber Deutschlands war. Der Zollbeamte wurde etwas bleich im Gesicht und fragte Michael: „Und DU willst ihn einladen??“ Man muss sich diese Situation vorstellen…;-) Und doch lies er die beiden passieren! Nun war noch das Problem, dass sich die beiden im Terminal 2 befanden, das Gepäck aber in Terminal 1 abzuholen war. Das bedeutet, dass man ‚die Grenze‘ nochmal passieren muss. Vorsichtshalber haben sich die beiden dann von einem anderen Beamten unterirdisch durchschleusen lassen… So, wie Michael das Ganze schilderte, ist es wirklich schon ein Wunder, dass die beiden da sind, aber wie er ja schon zum Zollbeamten sagte: „Wenn Gott will, dann…“

    Am Dienstagabend fand im Rathaus ein Informationsabend statt, bei dem wir mit der ganzen Gruppe waren, ein kleines Video über die Fazendas gezeigt, das Modell vorgestellt und wieder Lebenszeugnisse gegeben haben. Der Bürgermeister hat zugesagt, dass er die Pflege des Ehrenfriedhofs, der sich auf dem Klostergelände befindet, den Fazendabewohnern überlassen wird. Normalerweise müsste sich die Stadt darum kümmern. So haben wir schon ein regelmäßiges zusätzliches Entgelt.

    Gerade kommen wir von einer Domführung und müssen uns nun schleunigst an die Vorbereitungen für unseren Nachbarschaftsbegegnungsabend machen. Wir halten euch weiter auf dem Laufenden!

    Es grüßen euch herzlich eure Missionare aus Xanten!

  • Die Fazenda: Tür ist immer offen

    Fazenda da Esperanca „Kloster Mörmter“ stellt sich der Domgemeinde vor
    Pfarrer Christian Heim: „Die Tür ist immer offen“

    XANTEN. „Kommen Sie ins Kloster vorbei. Die Tür ist immer offen.“ Einladung von Pfarrer Christian Heim während zweier Sonntagsgottesdienste im Dom. Am Ende einer Vorstellung der Fazenda da Esperanca, Hof der Hoffnung, in Mörmter. Vorstellung auch von Schwester Johanna-Maria, den Bewohnern Luis (24) aus Brasilien und Alexander (32) aus Bayern. Lebenszeugnisse, die unter die Haut gingen.
    Ziel des Hauses: eine vorübergehende Heimat für Menschen, die früher von Drogen abhängig waren, die von Alkohol-, Medikamenten-, Ess-, Internet- oder Spielsucht frei werden wollen. Feine Lebensgemeinschaft für Jugendliche und junge Erwachsene von 14 bis etwa 35 Jahre, die aus Familie, Schule, Ausbildung und Beruf herausgefallen sind. „Und das ohne Psychologen und Therapeuten, weil uns durch die Bibel ein Weg gezeigt ist“, so Heim im Dom.
    Vor 26 Jahren in Brasilien begonnen, sind mit „Kloster Mörmter“ über 60 Gemeinschaften entstanden, in denen über 2000 Menschen einen Neuanfang wagen, von ihren Abhängigkeiten frei werden und ein neues, selbstverantwortliches Leben lernen. Mit ihnen leben Frauen und Männer unterschiedlicher Konfessionen, die sich ganz dieser Aufgabe widmen und die „Familie der Hoffnung“ bilden.
    Alexander berichtet über sein Leben mit vielen Abrissen. Eine klassische Drogen-Karriere mit Entgiftungen, Rückfällen, Hoffen und Scheitern. „Aber in der Berliner Fazenda erfuhr ich, dass ich selber auch gut sein konnte.“ Eine Erfahrung, die ihn so prägte, dass er sich als Fernziel das Priestertum vorgenommen hat.
    „Viele Profis schütteln über uns den Kopf“, räumt Pfarrer Heim ein. „Aber wir haben den Weg gewagt, und es klappt“. Nur etwa 15 Prozent Rückfälle, berichtet später in einem Pressegespräch Schwester Tanja. „Weil wir unseren jungen Leuten Würde, Wertschätzung und Liebe erfahren lassen.“ Das wird auch im Lebenszeugnis von Luis deutlich. Erst seit 18 Monaten in Deutschland, sprich er fließend deutsch, schwärmt von einer neuen Zeit, die für ihn begonnen habe. Das Geheimnis des Erfolges? Schwester Johanna-Maria, wie ihre Mitschwester eine Franziskanerin: „Einladung an Menschen, die in ihrem Leben Gott suchen und entdecken wollen. Jeder ist beschenkt mit dem, was er hat.“
    Während Jahrhunderte lang deutsche Missionare nach Brasilien gezogen waren, brächten heute Brasilianer etwas zurück. „Entwicklung umgekehrt“, so ein typischer Filmtitel über das junge Charisma in der Kirche. Davon war am Sonntag im Dom viel zu spüren. Herzlicher Applaus der Gemeinde am Ende der Vorstellung mit Lebenszeugnissen, Applaus auch nach dem Schlusslied der Gemeinschaft „Gemeinsam ist es schöner; du bist ein Geschenk für mich“. Walter Plümpe, 26.07.2009

    Nach den Gottesdiensten verkauften Mitglieder der Gemeinschaft selbstgemachte Marmeladen- und Wurstspezialitäten: Bausteine für den eigenen Lebensunterhalt.
    Vor Mörmter wurden bereits Höfe der Hoffnung in Nauen „Gut Neuhof“, Päwesin „Riewend“ und Irsee „Gut Bickenried“ gegründet.
    Am Dienstag, 28. Juli, ist um 19:30 Uhr im Xantener Rathaus ein Informationsabend der Gemeinschaft.
    Weitere Informationen: www.fazendadaesperanca3.blog.de

    Schwester Johanna-Maria und Pfarrer Christian Heim berichteten am Sonntag über das Leben auf dem Hof der Hoffnung in Mörmter.
    Musikalische Selbstvorstellung am Ende der Sonntagsmessen mit Gitarre und Klarinette: „Gemeinsam ist es schöner“.

  • 2. Tagebuchbericht

    Liebe Freunde,
    nun sind die ersten Missionare schon über eine Woche hier, wir haben Neuzugänge zu verbuchen (eine Familie mit drei Kindern) und zwei Missionare müssen leider für ein paar Tage wegen Fortbildung und Hochzeit eines guten Freundes unterbrechen, kommen aber dann wieder. Leider wird uns auch unser Rentnerehepaar aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Es ist rundum ein bewegtes Leben im Kloster Mörmter. Soviel Lebendigkeit und Tatendrang haben die Klostergemäuer schon lange nicht mehr erlebt. Wir sind am Räumen, Sortieren, Renovieren, Putzen, Bauen… und können wirklich schon richtige Erfolge verbuchen, man sieht die Resultate. Zimmer bekommen neue Böden und warme Farben für die Wände, die zukünftigen Rekuperanten werden sich absolut wohl fühlen können. Das Küchenteam stellt Marmeladen und Mus der kreativsten Art her, aus Früchten, die fleißige Missionarshände im Klostergarten gepflückt und dann geschält, gezupft bzw. entkernt haben. Die neueste Schöpfung unserer Küchenchefin Silvia ist Sauerkirsch-Schokoladen-Aufstrich (mit gespendeter Lindt-Schokolade), ein richtiger Traum. Im Hofladen werden die Leckereien mit anderen Produkten zusammen verkauft. Der Erlös soll dem finanziellen Erhalt der Fazenda dienen. Verschenkt haben wir aber auch schon von unserer noch limitierten Marmeladen-Auflage, denn wir werden selbst so reichlich beschenkt. So bleibt die Liebe Gottes im Fluss. Der im ersten Bericht erwähnte Rasenmäher ist vorgestern gebracht worden, nagelneu. Leider konnten wir ihn erst zu Demonstrationszwecken einsetzen, denn hier regnet es in diesen Tagen sehr viel. Aber bald wird der Rasen einem englischen Rasen gleichen… Einige von uns machen schöne Erfahrungen mit der Vorsehung Gottes. Bspw. hat Luiz, unser Brasilianer, vergessen Geld mitzunehmen, um Priestergewänder aus der Reinigung abzuholen. In der Nähe der Reinigung auf einem Parkplatz bekam er überraschend 30 € in die Hand gedrückt, genau der Rechnungsbetrag der Reinigung! Gott ist einfach super! Oder die Erfahrung von Silvia: sie benötige noch einen Mixer für die Küche und abends wurde er uns geschenkt, genial.
    Bald können die ersten Hühner bei uns einziehen, denn der Hühnerstall nimmt immer mehr Gestalt an, der Erbauer Sebastian spricht gar von einem ‚Hühnerhotel‘. Wollschweine sind auch schon auserwählt, die wir gespendet bekommen. Ab nächster Woche haben sie ein neues zu Hause bei uns (bis sie etwas größer und fetter sind…). Wir bekommen Gemüse, Brot, Glasspenden, um neue Marmelade machen zu können und vieles mehr. Die Leute sind einfach großzügig. Wir können ein echtes Fest der Liebe feiern. Das war auch vorgestern unser Motto für unseren Tag. Denn jeden Morgen nach dem Rosenkranzgebet betrachten wir das Tagesevangelium und entscheiden uns für ein bestimmtes Wort aus oder einen Gedanken zum Evangelium, um diesen den Tag über ganz konkret zu leben. Am Abend tauschen wir unsere Erfahrungen dazu aus und es ist immer spannend, wie Gott führt. Letztlich bereichern wir uns gegenseitig im Miteinander leben und im Austausch unserer Erfahrungen. Stefan, ein Theologiestudent, der ‚nebenbei‘ noch für Radio Vatikan arbeitet, hat Interviews unter den Missionaren geführt. Dieser Teil wurde am Freitagabend gesendet. Unter folgendem Link könnt ihr ihn anhören: www.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=304704. Leider ist er etwas unvollständig, da ist wohl was schief gelaufen.
    Übrigens haben wir auch einen speziellen Blog zu unserer Mission in Xanten errichtet: www.fazendadaesperanca3.blog.de, eine gute Möglichkeit, noch mehr über den Geist der Fazenda zu erfahren. Übrigens gibt es unter dieser Adresse auch nette Fotos anzuschauen, um euch einen kleinen Einblick von unserem Sein und Tun hier zu geben. Jeden Abend feiern wir zusammen um 18.00 Uhr eine Hl. Messe, die öffentlich ist. Da immer wieder jemand aus der Nachbarschaft oder der Gegend zum Gottesdienst kommt, gab es schon einige Gelegenheit zur Begegnung. Für nächste Woche haben wir alle Nachbarn zu einem einfachen Abend mit Grillwurst eingeladen, um uns gegenseitig kennenzulernen und damit die Nachbarn auch einige Erfahrungsberichte von ehemaligen Rekuperanten hören können. Wir haben bei der persönlichen Einladung gemerkt, wie wichtig es für die Leute ist, einen ‚Direktbezug‘ zu bekommen, da es doch sehr unterschiedliche Vorstellungen und auch Ängste gibt, was die Fazenda eigentlich ist und wer hier leben wird. Für übernächste Woche haben wir dann die Mitglieder des Fördervereins eingeladen, der gegründet wurde, um den Klostererhalt zu sichern (seit 6 Jahren lebte nur noch EIN Franziskaner hier, der unmöglich alles selbst bewältigen konnte). Außerdem planen wir auch noch einen Trödelmarkt zu veranstalten, denn in so einem großen Kloster findet sich doch Einiges, was man für die Fazenda nicht unbedingt gebrauchen kann, aber was auch zu schade ist zum Wegwerfen. Zudem können wir dadurch wieder unsere Kasse etwas füllen. Wir werden den Trödelmarkt im Klosterhof ausrichten, dem Ort, an dem unser Hofcafé entstehen soll. Aber dazu in einem unserer nächsten Berichte…
    Es grüßen euch herzliche eure Missionare in Xanten!

  • Der Beginn

    Sonntag, 19. Juli 2009:
    „Frische Farbe und neue Hoffnung“, so titelte gestern die hiesige Tageszeitung einen Artikel über den Beginn der Neugründnung der Fazenda. Eine gelungene Überschrift für das, was uns hier erwartet. So grüßen wir, die 21 Missionare aus fünf Ländern Euch herzlich. Heute, am Sonntag, 19. Juli 2009 hat die Mission im ehemaligen Franziskanerkloster Mörmter, im Westen von Deutschland, an der Grenze zu Holland und Belgien begonnen. Dieses Kloster gehört der Südbrasilianischen Franziskanerprovinz „Imaculata Conceição“ und Frei Conrad ofm, der letzte Franziskaner hier, hat die Idee ins Spiel gebracht, hier eine Fazenda zu beginnen. So befinden wir uns hier, in einer landschaftlich wunderschönen Gegend, in einem wunderschönen Haus, mit einer herrlichen Kirche und freundlichen Menschen und wir fragen uns, was ist eigentlich der Auftrag unserer Mission, was ist eigentlich die Arbeit, die es hier zu machen gilt? Wir verstehen es nach und nach. Klar, das Haus braucht frische Farbe, Harmonie und ist an manchen Stellen Renovierungsbedürftig, aber unser erster Auftrag ist es, Familie unter den Menschen hier vor Ort aufzubauen. Einer von drückte es so aus: „Die Menschen hier haben die Kirche als Struktur, aber was ihnen oft fehlt ist die Erfahrung einer lebendigen Kirche. – Kirche als ein Ort, wo sie sich aufgehoben und angenommen fühlen.“
    So fand heute die Sonntagsmesse als Auftakt der Mission statt. Es gab ein Goldhochzeitspaar, welche mit der Familie schon lange Zeit diesen Termin für ihre Feier vorgesehen hatte, dazu kam ein festlicher Kirchenchor und die Vorstellung unserer Erfahrung. Man denkt, dass das nicht zusammen geht, doch es war ein so bewegender Moment, wo die Missionare dem Goldhochzeitspaar das „Derrama“ gesungen hat und Alex und Sebastian in der Predigt mit Christian von der Erfahrung der Fazenda erzählt haben. Mit bei der Messe war der Pfarrer von Xanten und Pater Konrad.
    Anschließend luden wir die Besucher der Messe ein, uns bei Kaffee und Kuchen, bei einer Bratwurst aus eigener „Gut Neuhof“ Produktion mit uns ins Gespräch zu kommen. 60 – 80 Menschen kamen und es gab viele schöne Gespräche und herzliche Umarmungen, als würden wir uns schon lange kennen. Es war so, dass wir aufmerksam zuhören konnten und wir spürten, was Michael folgendermaßen auf den Punkt brachte: „Im Gespräch mit den Leuten dachte ich, sie sind sehr freundlich, doch ich spürte, nein, das sind nicht freundliche Menschen, dass sind zutiefst suchende Menschen. Sie sind Suchende. Sie suchen Gott. Wir können nur etwas geben, wenn wir konkret lieben. Mit unseren Taten.“
    Und geliebt haben wir jede Menge, jeder an seinem Platz, sei es Patrizio aus Sardinien, der einer Dame „Café italiano“ kochen musste, es mit Freude tat und immer zur Stelle war, um ihre Wünsche zu erfüllen. Seien es auch die Freunde der Fazenda, die nur heute da waren, wie Karin und Bruno, die Familie von Christian oder Familie Eltern Schnittker.
    Erste Kontakte wurden geknüpft, wie zu den Fokolar Priestern in der Umgebung, zu Maria Thielen, die 20 Jahre in Coroatá gelebt hat und 20 Minuten von Kloster Mörmter entfernt lebt oder zu Frauen, die einen jährlichen Basar für die „Mission in Brasilien“ machen und mit uns zusammen ihn abhalten wollten. – Aber auch die Vorsehung des himmlischen Vaters fehlten nicht: die benötigten 5 Stockbetten werden uns gesponsert, ein Rasenmäher, Matratzen, Bettbezüge, Kuchen und Salate kamen an und auch Geldspenden und weiterführende Kontakte wurden geknüpft.
    Wir spüren, Gott hat sich mal wieder an Großzügigkeit übertroffen, und das gleich am ersten Tag. Wowoh! – Was für eine Freude, dass drei Sießener Franziskanerinnen, Sr. Johanna-Maria, Sr. Lea und Sr. Tanja mit bei der Mission ab morgen dabei sind.
    Eure Missionare vom Kloster Mörmter!

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